Monthly Archive for Juni, 2009

Was an Statistiken so trickreich ist

Während ich hier ja zuletzt selbst an einer kleinen Serie über Statistik geschrieben habe (bzw. hiermit eigentlich noch dabei bin), habe ich vor kurzem eine sehr schöne Zusammenstellung diverser Tricks und Probleme bei Statistiken gefunden: Auf dem Statistikportal statista.com gibt eine ausführliche Seite mit dem Titel “Lügen mit Statistiken”. Hier geht es zum einen um echte Fälschungen, zum anderen aber auch um vorschnelle und irreführende Interpretationen.

Passend dazu, und um zu rechtfertigen, dass ich hier wirklich blogge und nicht nur einen Twitter-Link raushaue, will ich noch kurz darauf hinweisen, dass es neulich auch im Handelsblatt einen kleinen Beitrag über Probleme mit komplizierten Statistiken gab. (Und noch die Statistik, auf die sich der Autor bezieht)

So ein Gelaber!

So, ich habe jetzt zu meiner ersten Serie (Statistik & Co) ein paar Beiträge geschrieben. Ich hab’ das Ganze ja von vornherein als “Experiment” beschrieben, jetzt will ich mir mal anschauen, was ich da so fabriziert habe.

eigener Eindruck beim Schreiben & Probelesen

Nun, die Artikel sind wohl nicht falsch, und die Themen sind zum Teil ganz nett (finde ich jedenfalls, sonst hätte ich nicht darüber geschrieben). Wirkliche neue Informationen sind für normale Menschen wenig enthalten. Sie sind eben sehr allgemein gehalten ohne dabei einen überragenden Überblick über das Thema zu geben.

Auch der Unterhaltungswert liegt überwiegend nicht weit von einem Fachwörterbuch entfernt (kleine Ausnahme vielleicht die Weißwürste), daran etwas zu ändern müsste mir gelingen…

Leser

Die Benutzerstatistik spricht eine relativ eindeutige Sprache: Die Anzahl der Leser, die sich dort bisher eingefunden haben wäre selbst dann nicht überdurchschnittlich, wenn ich im ganzen Rest des Blogs keine hätte (obwohl Google die Dinger brav indiziert hat). Tatsache ist das andere Beiträge beliebter sind (kann ich irgendwie verstehen).

Alternativen

Es geht mir hier weniger darum, Alternativen zu Beitragsserien als solche zu finden, sondern sie inhaltlich und stilistisch so zu gestalten, dass sie Besuchern (und mir (und Google(Yahoo und bing brauch ich (noch) nicht))) gefallen. Ich denke da vor allem auch an mehr Arbeit für mich im Sinne von kleinen Texten zu exotischeren Themen, Java-Applets, evtl. der Bearbeitung von eigenen oder gefundenen Aufgabenstellungen… Wie ich dafür an Besucher komme, wird sich zeigen (das ist dann so ziemlich das hinterste Ende des Long Tails).

Stilistisch werde ich wohl noch ein wenig experimentieren; Langfristig ist z.B. auch noch ein rein satirischer Text in der Pipeline. Hier muss ich mir noch überlegen, ob ich so etwas unter etwas ernsthaftere Texte mischen möchte oder evtl. eine eigene Serie vorsehe.

aktueller Bezug

Bisher habe ich mit Beiträgen mit aktuellen Bezügen allgemein recht gute Erfahrungen gemacht (auch wenn ich langfristig natürlich noch nicht abschätzen kann, wie sich das entwickelt). Dementsprechend werde ich diese Richtung wahrscheinlich verstärkt verfolgen.

Wenn die Prognose die Ergebnisse beeinflusst

Dieser Beitrag ist Teil der Serie “Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast”.

Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise (auch wenn es im Moment gefühlt aufwärts geht) hört man gelegentlich die Befürchtung, dass schlechte Prognosen der Stimmung der Bevölkerung und letztlich auch der Wirtschaft schaden. Damit kommt ein ganz wichtiger Punkt zur Sprache: Viele Prognosen beeinflussen selbst den prognostizierten Sachverhalt. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen.

Selbsterfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy)

In vielen Fällen beeinflusst eine Prognose das tatsächliche Geschehen so, dass tendentiell die vorausgesagten Ereignisse eher eintreffen. Das kann auf individueller psychologischer Ebene (wenn jemand prognostiziert das etwas gegen eine Krankheit hilft, wirkt evtl. der Placeboeffekt) aber wie oben beschrieben auch auf Ebene weltweiter Wirtschaftssysteme passieren. Deshalb:

  1. Nie behaupten, dass die Bank bei der das eigene Geld liegt bald pleite ist, sonst ist sie ‘s irgendwann tatsächlich…
  2. Erst Aktien kaufen, und anschließend prognostizieren, dass ihr Kurs steigt ;-) Ich sehe allerdings gerade, dass die Idee weder neu noch legal ist :-(

Selbstzerstörende Prophezeiung (self-defeating prophecy)

Aber auch das Gegenteil einer selbsterfüllenden Prophezeiung ist möglich: Eine Prognose kann das Eintreffen ihrer Voraussagen verhindern. Relativ genaue Vorhersagen eines Unglücks können zum Beispiel bewirken, dass Maßnahmen eingeleitet werden, die das beschriebene Unglück unmöglich machen. Das Jahr 2000-Problem dürfte beispielsweise durch recht düstere Prognosen im Vorfeld deutlich abgemildert worden sein (wenn die schlimmsten Prognosen zugetroffen hätten, wären wir heute wahrscheinlich nicht mehr hier).

Fazit

Menschen die Prognosen anstellen müssen, sollten sich, wenn die Prognose hinreichend respektiert ist, auch Gedanken darüber machen, was ihre eigene (und ggf. ähnliche) Prognosen bewirkt. Damit haben sie auch ein wenig Macht und es stellt sich die Frage, ob man allzu negative Prognosen z.B. in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überhaupt noch veröffentlichen sollte – ich habe allerdings Zweifel, dass der Verzicht auf eine Prognose als positives Signal aufgenommen wird. Und je mehr man über die Zukunft weiß, desto besser kann man sich darauf vorbereiten – normalerweiße.

bleibt noch zu sagen…

…das gelegentlich auch Statistiken ohne echte Prognosen Auswirkungen auf die Zukunft haben, die sie (die Statistik) eher nicht haben sollten, aber passt das hier ‘rein?

von xkcd.com (auf 's Bild klicken)

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