Veröffentlicht am
20. September 2009 in
Allgemein.
Aus Anlass der anstehenden Bundestagswahl am nächsten Wochenende will ich ein paar passende Fundstücke mit eher naturwissenschaftlichen Themen vorstellen.
Stimmgewichte und Zuteilungsverfahren
Dass der Deutsche Bundestag einige Sitze hat ist bekannt. Aber es sind, selbst bei schlechter Wahlbeteiligung, kaum genau so viele wie abgegebene Stimmen. Will man nun die Sitze möglichst entsprechend der Stimmen zuteilen braucht man – Überraschung! – ein Sitzzuteilungsverfahren. Hiervon gibt es einige, die jeweils bestimmte Kriterien erfüllen. Bei der Bundestagswahl kommt 2009 erstmals das Sainte-Laguë-Verfahren zum Einsatz.
Aus der Verwendung von Landeslisten und der Kombination von Mehrheits- (Erststimme) und Verhältniswahlrecht (Zweitstimme) ergeben sich nach dem aktuellen Wahlrecht einige Probleme (in bestimmten Fällen ein Nachteil der Gewählten durch zusätzliche Stimmen). Mit der genauen Regelung und ihren Problemen setzt sich zum Beispiel die Seite wahlrecht.de auseinander.
PS: Auch die FAZ hat gerade über Kritik am aktuellen Wahlrecht und mögliche Alternativen geschrieben.
“Wissenschaftliche Vernunft” in die “dumme Politik”?
Darüber, was ein guter Politiker können und wissen muss, kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Die Zeit großer Universalgelehrter ist leider vorbei, aber die Idee von umfassend wissenschaftlich gebildeten und befähigten Politikern gefällt definitiv nicht nur mir. Obwohl sich durchaus auf hohen Staats- und Parteiämtern einige Politiker mit naturwissenschaftlicher Ausbildung finden, sind für den Erfolg einer politischen Laufbahn wahrscheinlich andere Qualifikationen entscheidender. In einem Artikel im Spiegel wird sogar behauptet, für besonders intelligente Menschen ergäben sich zusätzliche Schwierigkeiten in unserem Politikbetrieb.
Was wählen?
Darauf hat die Wissenschaft sicher keine eindeutige Antwort. Auch der hinreichend bekannte Wahl-O-Mat sollte nicht alleiniges Kriterium sein. Interessant wäre es vielleicht zu messen, wie sich die Wahlversprechen der einzelnen Parteien dann tatsächlich in ihrer Politik niedergeschlagen haben – was aber in Koalitionen kaum möglich ist. Dass man wählen sollte, ist vermutlich Konsens. Aber ich muss mich doch auch Rob Vegas anschließen, wenn er meint, für eine bestmögliche Wahl sei auch ein möglichst hohes Maß an politischer Bildung in der Bevölkerung notwendig. Wer in diesen Winkel des Internets vorgedrungen ist und bis hier durchgelesen hat ist wahrscheinlich aber schon mal nicht auf dem schlechtesten Weg. Ein bisschen Hirnschmalz für die Demokratie zu opfern sollte doch drin sein – in anderen Ländern riskieren Menschen, dass ihnen aufgrund ihrer Teilnahme an einer Wahl die Hand abgehackt wird.
Ich habe neulich meine Blogroll aufgeräumt. Nachdem “Heureka!” wegen Inaktivität aussortiert wurde, findet sich dort im Moment nur noch ein echtes Blog: Astrodicticum simplex (Ich werde bei Gelegenheit mal wieder ein paar dazu setzen). Da längere Kommentare in der Blogroll dazu führen würden, dass sie diese Bezeichnung nicht mehr verdient und auch praktische Erwägungen gegen Romane in der Sidebar sprechen könnten, hier eine kleine, nicht repräsentative Rezension des verbliebenen Blogs:
Eigentlich ist es wohl ein Astronomie-Blog – und würde mich als solches wahrscheinlich wenig interessieren: Ich will an dem Zeugs über das ich etwas wissen will lieber rumfrickeln können anstatt mir zu unmenschlichen Tageszeiten Nackenkrämpfe zu holen (ok, sicher mehr Klischee als Realität bei Astronomen und auch die wenigsten Physiker stehen heute noch den ganzen Tag neben ihren Experimenten, aber was soll ‘s). Tatsächlich ist die Astronomie im Blog aber fast nebensächlich, es geht um Höheres:
Oft schreibt der Autor über sehr allgemein naturwissenschaftliche Themen. Zur Zeit rezensiert (oder -seziert?) er kapitelweise das Buch “Der Drache in meiner Garage”, dass sich unter anderem mit der Rechtfertigung der (Natur-)Wissenschaften und Angriffen auf dieselben beschäftigt (in der Zusammenfassung sind die Rezensionen aller Kapitel verlinkt). Und in diesem Bereich bewegen sich auch viele seiner anderen Posts. Das heißt er schreibt beharrlich gegen Relativitätstheorie-Leugner, Astrologen und alle möglichen und unmöglichen (sonstigen) Parawissenschaftler an.
Und wenn er sie nicht gerade verteidigt, bemüht er sich auch mal selbst um die Vermittlung von Wissenschaften. Einer der Höhepunkte war für mich eine Beitragsserie zu Chaos/Chaostheorie (im letzten Beitrag sind alle vorherigen verlinkt).
Mittlerweile wurde schon der nächste Bundeswettbewerb gestartet. Hier meine Hinweise zum 29. Bundeswettbewerb Informatik.
Heute ist Abgabeschluss der zweiten Runde des Bundeswettbewerbs Mathematik 2009 – noch sind Aufgaben wie Lösungen vertraulich zu behandeln, erfahrungsgemäß wird es dann aber beides demnächst auf der Webseite des Wettbewerbs geben.
Heute geht aber auch schon der nächste Bundeswettbewerb los, bei dem man das Rechnen dem Computer überlassen soll – wenn man denn weiß wie: Der 28. Bundeswettbewerb Informatik (BWINF) startet jetzt pünktlich, damit sich niemand langweilen muss. Alles Wesentliche zum Wettbewerb findet sich in den Aufgaben und auch dieser Wettbewerb wird, ähnlich wie der Mathewettbewerb, in zwei Runden von zu Hause aus und anschließend für die letzten noch Verbliebenen durch direkten Menschenkontakt im Real-Life (hier: Uni Freiburg) ausgetragen. Zu gewinnen gibt es am Ende diverse Preise, auch die Aufnahme in die “Studienstiftung des deutschen Volkes”, die den Bundessiegern winkt, erinnert irgendwie entfernt an einen anderen Wettbewerb… Hat irgendwer eine Idee an was?
Die Aufgaben reichen jedenfalls von eher verwaltungstechnischen Problemen wie einem Bestellsystem für Pizzas bis zu Problemen die vermutlich viel mehr Denk- als Programmierarbeit bedeuten werden. Was Programmiersprachen angeht ist der Wettbewerb auch relativ liberal. Ich habe den Eindruck, dass kaum eine verbreitete Sprache nicht akzeptiert wird. Nur wer Wert auf den produktiven Gebrauch esoterischer Programmiersprachen legt, könnte Probleme bekommen.
PS: Zwei Wochen nach dem Abgabeschluss des BWINF Mitte November startet der Bundeswettbewerb-Mathematik 2010 dann schon wieder mit einer neuen ersten Runde. Zur 3. Runde des Bundeswettbewerbs Mathematik werde ich wohl nichts mehr schreiben, ein zweistelliges Leserpotential ist wirtschaftlich nicht sinnvoll (ok, von daher würde es dann doch wieder hierher passen).