Aus Anlass der anstehenden Bundestagswahl am nächsten Wochenende will ich ein paar passende Fundstücke mit eher naturwissenschaftlichen Themen vorstellen.
Stimmgewichte und Zuteilungsverfahren
Dass der Deutsche Bundestag einige Sitze hat ist bekannt. Aber es sind, selbst bei schlechter Wahlbeteiligung, kaum genau so viele wie abgegebene Stimmen. Will man nun die Sitze möglichst entsprechend der Stimmen zuteilen braucht man – Überraschung! – ein Sitzzuteilungsverfahren. Hiervon gibt es einige, die jeweils bestimmte Kriterien erfüllen. Bei der Bundestagswahl kommt 2009 erstmals das Sainte-Laguë-Verfahren zum Einsatz.
Aus der Verwendung von Landeslisten und der Kombination von Mehrheits- (Erststimme) und Verhältniswahlrecht (Zweitstimme) ergeben sich nach dem aktuellen Wahlrecht einige Probleme (in bestimmten Fällen ein Nachteil der Gewählten durch zusätzliche Stimmen). Mit der genauen Regelung und ihren Problemen setzt sich zum Beispiel die Seite wahlrecht.de auseinander.
PS: Auch die FAZ hat gerade über Kritik am aktuellen Wahlrecht und mögliche Alternativen geschrieben.
“Wissenschaftliche Vernunft” in die “dumme Politik”?
Darüber, was ein guter Politiker können und wissen muss, kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Die Zeit großer Universalgelehrter ist leider vorbei, aber die Idee von umfassend wissenschaftlich gebildeten und befähigten Politikern gefällt definitiv nicht nur mir. Obwohl sich durchaus auf hohen Staats- und Parteiämtern einige Politiker mit naturwissenschaftlicher Ausbildung finden, sind für den Erfolg einer politischen Laufbahn wahrscheinlich andere Qualifikationen entscheidender. In einem Artikel im Spiegel wird sogar behauptet, für besonders intelligente Menschen ergäben sich zusätzliche Schwierigkeiten in unserem Politikbetrieb.
Was wählen?
Darauf hat die Wissenschaft sicher keine eindeutige Antwort. Auch der hinreichend bekannte Wahl-O-Mat sollte nicht alleiniges Kriterium sein. Interessant wäre es vielleicht zu messen, wie sich die Wahlversprechen der einzelnen Parteien dann tatsächlich in ihrer Politik niedergeschlagen haben – was aber in Koalitionen kaum möglich ist. Dass man wählen sollte, ist vermutlich Konsens. Aber ich muss mich doch auch Rob Vegas anschließen, wenn er meint, für eine bestmögliche Wahl sei auch ein möglichst hohes Maß an politischer Bildung in der Bevölkerung notwendig. Wer in diesen Winkel des Internets vorgedrungen ist und bis hier durchgelesen hat ist wahrscheinlich aber schon mal nicht auf dem schlechtesten Weg. Ein bisschen Hirnschmalz für die Demokratie zu opfern sollte doch drin sein – in anderen Ländern riskieren Menschen, dass ihnen aufgrund ihrer Teilnahme an einer Wahl die Hand abgehackt wird.